21. Juni 2012

Über Minderjährige darf nicht einfach so berichtet werden

Von: Prof. Dr. Ralf Kitzberger, LL.M.

Diese Woche hat der EGMR (Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte) darüber entschieden, wann über Minderjährige - die keine Personen des öffentlichen Lebens sind - berichtet werden darf und wann solche Personen besonderen Schutz gegenüber der Presse genießen. Die Richter kommen zu dem Ergebnis, dass über einen Minderjährigen auch dann nicht identifizierend berichtet werden darf, wenn der Sachverhalt von allgemeinem Interesse ist (EGMR: Az.: 1593/06).
Bei derartigen Berichterstattung gilt es ständig, das Persönlichkeitsrecht des Minderjährigen gegen die Pressefreiheit abzuwägen. Eben diese Persönlichkeitsrechte haben die Richter des EGMR diese Woche gestärkt.
Über Minderjährige darf grundsätzlich nicht einfach so identifizierend berichtet werden, auch wenn der Grund der Berichterstattung bzw. das Geschehene dahinter von öffentlichem Interesse ist. Eine Ausnahme gibt es möglicherweise nur dann, wenn es sich bei dem Minderjährigen ohnehin um eine Person der Zeitgeschichte bzw. um eine Person handelt, die gezielt die Öffentlichkeit in der Vergangenheit gesucht hat.
Im vorliegenden Verfahren ging es wohl darum, dass Medien über einen Sorgerechtsstreit berichtet hatten. Dabei veröffentlichten sie auch Fotos, auf denen der Minderjährige mit schmerzverzerrtem Gesicht gezeigt wurde.

Verwandte Beiträge

15 Oktober 2021

4. Stuttgarter Medien- und IP-Rechtstag – 15 FAO-Stunden an zwei Tagen

Am 22./23.10.2021 veranstaltet das Fortbildungsinstitut der Rechtsanwaltskammer Stuttgart den 4. Medien- und IP-Rechtstag in Stuttgart. Hier ein kurzer Überblick über die Themen und Dozenten: Aktuelle Rechtsprechung zum Markenrecht Dozenten: Philip Kohl / Mark Wiume (BRP Renaud und Partner mbB, Stuttgart) Lizenzverträge in der Insolvenz Dozenten: Michael Englert / Harry Kressl (Pfefferle Helberg & Partner, Anwaltskanzlei […]
2 April 2013

Berichterstattung über ein laufendes Strafverfahren

 Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 19.03.2013 (Aktenzeichen VI ZR 93/12) über die Zulässigkeit einer Berichterstattung über ein laufendes Verfahren entschieden. Der Kläger war bis zu seiner Verhaftung im März 2010 wegen des Verdachts der Vergewaltigung einer damaligen Freundin als Fernsehmoderator tätig. Mit seiner Unterlassungsklage wollte er eine ihn betreffende Online-Berichterstattung während eines gegen ihn […]
Copyright © 2021 - Schickhardt Rechtsanwälte
Alle Rechte vorbehalten.